Aktuelle Informationen aus der vhs
Der perfekte Moment? Der kommt nicht. Das kostenfreie MAMA@work-Projekt startet mit Mut, Gründergeist und starken Impulsen ins neue Semester
Muss man schon genau wissen, wohin die Reise geht, bevor man beruflich etwas verändert? Muss ein Businessplan perfekt, die Familienorganisation lückenlos und der richtige Zeitpunkt endlich gekommen sein? Die Botschaft beim Semesterauftakt von MAMA@work im Bistro Zucchero in Bodenmais war eine andere: Man muss nicht schon am Ziel sein. Man muss nur bereit sein, den nächsten Schritt zu gehen.
Unter dem Motto „Mama goes Business – Woman Connect!“ hatten wir Mütter zu einem Austausch über Selbstständigkeit, beruflichen Wiedereinstieg und neue Karrierewege eingeladen. Persönliche Erfahrungen trafen dabei auf konkrete Informationen zu Gründung, Förderung und Beratung und im Anschluss blieb bewusst viel Zeit für Gespräche und Networking.
Bodenmais zweiter Bürgermeister Jochen Koller eröffnete den Abend. Anschließend stellte Sabrina Kraas, Geschäftsleiterin der vhs Arberland das Konzept von MAMA@work vor und machte deutlich, dass das Projekt Frauen nicht in eine bestimmte berufliche Richtung lenken, sondern ihnen Möglichkeiten eröffnen soll.
Das Projekt setzt dort an, wo die jeweilige Mutter gerade steht. Das aktuelle Semesterprogramm reicht von moderner Stellensuche und Weiterbildung über finanzielle Themen bis zu Selbstständigkeit, Gesundheit und alltagstauglichen Angeboten. Die Veranstaltungen sind für Mütter aus dem Landkreis absolut kostenfrei. MAMA@work wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den individuellen Einzelcoachings mit bis zu 60 Stunden. Dabei gibt es bewusst keine Standardlösung. Gemeinsam mit der Teilnehmerin wird geklärt, wo sie steht, was sie verändern möchte und welche Unterstützung sie dafür braucht. Die vhs sucht gezielt Coaches, deren fachlicher Schwerpunkt zur jeweiligen Mama passt. So kann es um eine Gründung ebenso gehen wie um Bewerbungen, berufliche Orientierung, persönliche Weiterentwicklung oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch Unternehmen werden angesprochen. Angebote rund um familienfreundliche Unternehmensstrukturen sollen Betriebe dabei unterstützen, Arbeitsbedingungen weiterzuentwickeln und das berufliche Potenzial von Müttern stärker in den Blick zu nehmen.
Kraas bedankte sich zudem bei Sonja Pfrogner, Betreiberin des Bistro Zucchero, die ihre Räume für den Auftakt zur Verfügung stellte. Als Unternehmerin, Mutter und inzwischen „Oma@work“ sei auch sie ein Beispiel dafür, wie viele unterschiedliche Lebensphasen Frauen mit beruflicher Verantwortung verbinden.
„Mut steht jeder Frau – nur manche tragen ihn lauter“
Dass Veränderung selten mit völliger Sicherheit beginnt, griff Pamela Baierl, Unternehmerin, Steuerberaterin, Mutter und Projektbotschafterin, in ihrem „Zündfunken“ auf. Frauen, so Baierl, warteten häufig auf den perfekten Moment, bis Zweifel verschwunden seien und die Rahmenbedingungen stimmten. „Diesen perfekten Moment wird es nicht geben.“ Das kenne sie aus eigener Erfahrung: Auch bei der Gründung ihrer Kanzlei habe sie Zweifel gehabt, wisse heute aber, dass die Entscheidung richtig war. Entscheidend sei nicht, den gesamten Weg zu kennen: „Man muss nicht gleich das Ziel erreichen. Man muss nur den nächsten Schritt machen.“
Passend dazu entstehe auch ein Zündfunke aus Druck und Spannung. „Bedingungen, die gerade Mütter nur allzu gut kennen dürften“, merkte Baierl lächelnd an. Ihre Botschaft: „Mut steht jeder Frau – nur manche tragen ihn lauter.“
Vom kleinen Pflänzchen zum Woidladl
Wie unterschiedlich dieser erste Schritt aussehen kann, zeigte Verena Maurer, Inhaberin des Concept Stores Woidladl by Waldliebe. Ihre Unternehmensgeschichte erzählte sie anhand einer Pflanze: Immer, wenn der bisherige „Topf“ zu klein geworden sei, habe sie sich beruflich „umgetopft“. Nicht mit einem fertigen Masterplan, sondern „Topf“ für „Topf“. Viermal hatte Maurer zuvor bereits während ihrer Tätigkeit Vollzeit Projektleiterin gegründet und anschließend „tausend Gründe“ gefunden, warum es nicht funktionieren könne. Während ihrer Elternzeit war es anders: Ihre Tochter war erst wenige Wochen alt, als sie begann, eigene Schmuckstücke zu entwerfen. Bestärkt durch die Begeisterung ihrer Freundinnen meldete sie erneut ein Gewerbe an. Zunächst ohne großen Druck, denn vor allem wollte sie Mama sein. Doch aus dem Elternzeit-Projekt wurde mehr. Unter ihrer Wohnung wurde eine kleine Ladenfläche frei. Ihr Mann fragte: „Warum nicht?“ Maurer investierte ihr Erspartes und eröffnete das Woidladl mit zunächst nur wenigen Produkten, Schmuck und Accessoires. Der nächst größere „Topf“ war gefunden. „Man muss nicht fertig sein, um anzufangen“, lautete eine ihrer wichtigsten Erfahrungen. Zugleich verschwieg Maurer die Herausforderungen nicht: „Damals wusste ich noch nicht, was ich alles nicht weiß.“ Gerade bei unternehmerischen Finanzen hätten sie anfangs gestresst. Umso wertvoller seien Angebote wie MAMA@work: Individuelles Coaching und fachliche Begleitung hätte sie sich damals selbst gewünscht. Das Woidladl wuchs trotzdem. Wenn das Baby schlief, arbeitete Maurer. Doch das Kind wurde größer, die Schlafphasen kürzer und irgendwann stand erneut eine Entscheidung an: Wie soll es weitergehen? Auch darüber sprach die Unternehmerin offen. Eine Gründung sei nicht nur „rosig“. Wer Familie und Selbstständigkeit verbinde, müsse lernen, Grenzen zu setzen und sich selbst nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Sich Zeit für die eigenen Bedürfnisse zu nehmen, sei nicht egoistisch, sondern notwendig. Das gelte für die Selbstständigkeit ebenso wie in einem Angestelltenverhältnis.
Heute gibt es das Woidladl seit drei Jahren, Maurer beschäftigt zwei Mitarbeiterinnen und betreibt zusätzlich einen gut laufenden Onlineshop. Fertig sei die Entwicklung damit trotzdem nicht. „Wir werden uns sicher noch weiterentwickeln. Und darauf darf ich auch stolz sein.“ Für sie persönlich sei es ebenfalls ein Weg gewesen. Früher sei sie die Schüchterne in der Klasse gewesen. Heute wisse sie: „Den Mutmuskel kann man trainieren.“ Ihrer Tochter möchte sie mitgeben: dass Familie und beruflicher Erfolg kein Widerspruch sein müssen. Auf die Frage aus dem Publikum, was sich gesellschaftlich verändern müsse, damit Gründung und berufliche Entwicklung für Mütter leichter würden, verwies Maurer auf Angebote wie das Mama-Projekt. Mütter bräuchten nicht nur Erwartungen, sondern Zugang zu Wissen, Beratung und Menschen, die ihnen den nächsten Schritt erleichtern. Kostenfreie Informationen und individuelle Coachings könnten dabei den entscheidenden Unterschied machen: Eine gute Idee müsse nicht daran scheitern, dass eine Frau nicht weiß, wen sie fragen kann.
Maurers Erfahrungen mit stationärem Handel und digitalem Vertrieb fließen auch in ein weiteres Angebot der vhs ein: Am 13. Oktober gibt sie beim Kurs „Die besten Kunden kommen nicht nur durch die Ladentür – Neue Vertriebswege für den regionalen Handel“ praxisnahe Einblicke, wie sich Laden, Social Media und Onlineshop sinnvoll miteinander verbinden lassen.
Fördermittel: Wer sich beraten lässt, muss nicht allein durch den Dschungel
Dass Mut allein bei einer Gründung nicht genügt, machte Max Rothenberger, zertifizierter Gründungs- und Unternehmensberater und ebenfalls Coach an der vhs, deutlich. Er gab einen Überblick über Fördermöglichkeiten und zeigte, wie professionelle Beratung gerade am Anfang entlasten kann. Denn zwischen Businessplan, Krediten, Zuschüssen und Förderprogrammen ist es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Wer sich früh beraten lässt, könne Stress vermeiden und verhindern, dass finanzielle Unterstützung ungenutzt bleibt.
Rothenbergers Botschaft: Niemand muss alle Möglichkeiten selbst kennen, entscheidend ist, sich die passende Expertise an die Seite zu holen.
Auch über MAMA@work hinaus bietet die vhs berufliche Unterstützung: Die Jobbegleiterin Alexandra Silion unterstützen Menschen mit Migrationshintergrund sowie Unternehmen bei der beruflichen Integration, gefördert durch das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration.
So wurde aus dem Semesterauftakt weit mehr als ein Informationsabend. Bei Getränken und Gesprächen nutzten die Teilnehmerinnen anschließend die Gelegenheit, Fragen zu stellen, Kontakte zu knüpfen und eigene Ideen weiterzudenken.
Und vielleicht war genau das die wichtigste Botschaft des Abends: Eine berufliche Veränderung beginnt selten mit völliger Sicherheit. Viel öfter beginnt sie mit einer Idee, einem Gespräch und dem Mut zum nächsten Schritt.
Weitere Informationen zu Mama@work gibt es hier.

